Ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht, alle FremdsprachenlehreInnen, die eine kommunikative Methodik benutzen, sind im Prinzip schon erfahrene Dramaexperten. Wir schaffen für unsere SchülerInnen eine neue Welt, in der sie nicht sich selbst, sondern eine neue Person spielen. Diese neue Person wird durch die Benutzung der deutschen Sprache und das Hineinsetzen in eine deutschsprachige Kultur erschaffen.
Hiermit wird versucht, einige weitere Anregungen zur Arbeit mit SchülerInnen von DaF im Bereich Drama zusammenzustellen. Die Ideen stammen aus mehreren Quellen, die angegeben werden. Das ist vielleicht ein Anfangsschritt, unsere Fachkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln.









AGTV/ Goethe-Institut Victorian State Conference für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer


17. und 18. September 2011


Workshop A. Ferguson/ K. Furmanek: Fremdsprache Inszenieren: Spieltechniken im DaF - Unterricht

Der Fremdsprachenunterricht kann die Lust der Schüler/Innen fördern und nutzen, ein Anderer zu werden, mit der anderen Sprache in eine andere Sicht auf die Welt, auch auf die eigene, zu schlüpfen und sich neu zu sozialisieren.

Dieser Workshop möchte elementare Spieltechniken vom Warm up über Standbilder bis hin zur gespielten Szene vermitteln, die im Fremdsprachenunterricht Anwendung finden können, um die Lust am Lernen einer fremden Sprache auf spielerische Weise zu fördern, aber auch bereits Gelerntes spielerisch anzuwenden.

Literaturempfehlung: SPRACH-FLUSS: Hedda Holl, Theaterübungen für Sprachunterricht und interkulturelles Lernen
Goethe-Institut und Hueber Verlag, 2011

Theaterübungen zum Sprachenlernen
"Eine der ersten und umfassendsten Untersuchungen der Sprachlernprozesse von Einwandererkindern, die zeigt, welche Fähigkeiten und Strategien diejenigen Schüler anwenden, die am besten und schnellsten die Sprache ihrer neuen Umgebung lernen, stammt von der US-Amerikanerin Joan Rubin (Vgl. Rubin, Joan (1975): What the 'Good Language Learner' Can Teach Us. In: Tesol Quarterly 9, 41-51).

Bereits 1975 stellte sie fest, dass 'gute Sprachlerner':
  • sich einer Gruppe anschließen und so tun 'als ob' sie wüssten, worüber gesprochen wird, auch wenn sie es nicht wissen;
  • zeitweise mit dem Gefühl der Ungewissheit leben können, dabei jedoch ständig bemüht sind, im weiteren Verlauf der Kommunikation ihre eigenen Annahmen zu überprüfen und zu korrigieren;
  • gut und präzise raten können und eigenes Wissen einbringen, um die Bedeutung von Wörtern und Satzstrukturen zu entschlüsseln;
  • sich mit eigenen Floskeln den Anschein geben, 'als ob' sie eine Sprache sprächen;
  • ein großes Kommunikations- und Lernbedürfnis haben und ihre geringen Redemittel kreativ einsetzen, um z. B. unbekannte Vokabeln zu umschreiben;
  • nicht eitel sind und keine Angst haben, sich durch falsche Aussprache, Fehler oder ausdrückliche Körpersprache zu blamieren;
  • das Gespräch mit Muttersprachlern suchen und jede Gelegenheit nutzen, um Sätze und Redewendungen, die sie sich zurechtgelegt haben, anzuwenden;
  • Sprachbewusstheit ausbilden und das Sprachverhalten von Gesprächspartnern präzise erfassen und auf neue 'Redewendungen' hin abklopfen;
  • sich durch eigene sprachliche Unzulänglichkeiten nicht entmutigen lassen, sondern aus missglückten Kommunikationshandlungen lernen;
  • über grammatische Aufmerksamkeit für Formen und Strukturen der fremden Sprache verfügen und stets darauf aus sind, Sprachmuster zu erkennen und anzuwenden.

Diese vielfältigen Qualitäten, die das Sprachenlernen begünstigen, sind hier detailliert ausgeführt um erstens zu zeigen, dass 'gute Sprachlerner' ihren Lernprozess selbst in die Hand nehmen und ihr Wissen und ihre Persönlichkeit dabei umfassend einbringen - wie es ja auch beim kindlichen Spracherwerb der Fall ist. Und um zweitens herauszustellen, dass Elemente des bewussten Sprachenlernens, wie das Vokabellernen und das Erfassen von grammatischen Strukturen bei diesen eigenverantwortlich Lernenden Hand in Hand gehen mit Elmenten des unbewussten Spracherwerbs, etwa mit intuitivem, präzisen Erraten.
Drittens zeigt die Studie von Rubin, dass es vor allem soziale und kommunikative Kompetenzen sind, die den eigentlichen Sprachlernprozess fördern. Wer es versteht, aufmerksam und präzise zu kommunizieren, ist im Vorteil beim Sprachenlernen."
Aus: Holl, Edda: SPRACH-FLUSS Theaterübungen für Sprachunterricht und interkulturelles Lernen, S. 11f, Hueber-Verlag, 2011.

Was leiten wir daraus für unseren Workshop und das Unterrichten im Fach DaF ab?


Warm up:
  • Gehen im Raum, nicht im Kreis, in alle Richtungen, verschiedenes Tempo
  • erst jeder für sich
  • dann Wahrnehmen der anderen, dabei Anweisungen befolgen: Augenkontakt suchen, Augenkontakt vermeiden, sich zuzwinkern, sich zunicken, sich anlächeln, die Nase rümpfen, ...
  • Körperteile lockern beim Gehen nach Anweisung: linke Hand ausschütteln, rechtes Bein lockern, linke Schulter kreisen, ...

Vorstellungs-/ Begrüßungsübungen:
  • Einen Kreis bilden
  • A tritt in den Kreis, macht eine Geste und stellt sich vor: "Ich bin ... (Name)."Die Geste kurz stehen lassen.
  • Alle treten in den Kreis und imitieren Geste und Tonfall von A: "Hallo ... (Name)."Kurzes Freeze.
  • Gemeinsam zügig in den Kreis zurück treten.
  • Nun tritt B (rechter Nachbar) in den Kreis, macht eine Geste und stellt sich vor: "Ich bin ... (Name)."
  • Anschließend treten wieder alle in den Kreis und imitieren Tonfall und Geste von B: "Hallo ... (Name)."
  • usw.
Varianten:
A: "Ich heiße..."/ "Ich bin..." Alle: "Sie heißt..."/ "Du bist /Sie ist..."
Adjektive/ Adverbien dazu nehmen: eventuell vorher Plakat erarbeiten mit Wortfeld zur Befindlichkeit
A: "Ich bin ... und ich bin aufgeregt (cool, müde, böse, hier, genervt, ...)." Alle: "Du bist/ Sie ist ... und du bist/ sie ist
aufgeregt."

  • Einen Kreis bilden.
  • A geht geht hinter dem Rücken der TN den Kreis ab und klopft einer beliebigen Person B auf die Schulter, die sich umdreht.
  • Beide schütteln die Hände und sprechen gemeinsam schnell: "Guten Tag Frau Meier. Wie geht's Frau Meier? Auf Wiedersehen Frau Meier."
  • Beide laufen in entgegengesetzten Richtungen den Kreis herum und versuchen als erster die entstandene Lücke zu füllen.
  • Derjenige, der keinen Platz im Kreis hat, geht weiter, klopft einem beliebigen Spieler C auf die Schulter, beide schütteln die Hände und sprechen erneut: "Guten Tag Frau Meier, Wie geht's Frau Meier? Auf Wiedersehen Frau Meier." usw.
Beachten: Tempo muss schnell sein, trotzdem müssen die Begrüßungsformeln von beiden Spielern laut und deutlich gesprochen werden.

Szenen entwickeln: Kommunikationssituationen